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„Wir leben provisorisch, die Krise nimmt kein Ende“

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählt die Eisenbahn weiterhin zu den meistgenutzten Verkehrsmitteln, ist im kollektiven Bewusstsein jedoch längst etabliert. Dies hat auch Auswirkungen auf die Transitliteratur: »Als integraler Bestandteil des hochindustrialisierten Alltags ist die Eisenbahn der neuen Dichtergeneration […] schon zu selbstverständlich, als daß von ihr als Motiv oder Thema fundamental neue Anregungen ausgehen können«, so Peter Sprengel über die Autoren des frühen 20. Jahrhunderts.
Weitere technische Innovationen kommen hinzu, die die Wahrnehmung von Raum und Zeit erneut verändern und die Mobilität der Menschen erhöhen, doch: »Ob elektrischer Telegraf oder Telefon, ob Auto oder Flugzeug: Alles erregt nicht mehr so viel Aufsehen, nimmt nicht mehr in dieser Weise den Atem. Es hat nicht mehr jene symbolische und imaginative Kraft, die den Eisenbahnauftritt zu einem derart ›totalen‹, alle Sinne fesselnden Eindruck und Topos werden ließ«.
Der singuläre Schock durch die Eisenbahn ist längst einer allgemeinen Reizüberflutung gewichen, die vor allem den Großstädter betrifft. Georg Simmel hat jene allgemeine »Steigerung des Nervenlebens«  in seinem berühmten Aufsatz »Die Großstädte und das Geistesleben« bereits 1903 geschildert und damit die Grundlagen der Stadtsoziologie geschaffen.